Der Verein Dachauer Moos e.V. hat eine Faltbroschüre zum Dachau-Schleißheimer Kanal herausgebracht, die das barocke Wassermanagement als lebendiges Baudenkmal begreifbar macht. Die Broschüre ist zweigeteilt konzipiert: Während die Textseite den großen Bogen von der glanzvollen barocken Vergangenheit über die heutige ökologische Bedeutung bis hin zu den Herausforderungen der Zukunft spannt, lädt die Kartenseite dazu ein, das Kanalsystem aktiv zu erleben und versteckte Spuren in der Landschaft zu entdecken.




Die Faltbroschüre zum Dachau-Schleißheimer Kanal  liegt in der Touristinformation der Stadt Dachau und der Gemeinde Oberscheißheim sowie im Schloss Schleißheim aus. Zudem steht sie hier auf der Internetseite des VDM zum Download bereit.

Der Dachau-Schleißheimer Kanal: Zwischen barocker Ingenieurskunst und moderner Ressource

Der Dachau-Schleißheimer Kanal ist ein zentrales Teilstück des beeindruckenden Nordmünchner Kanalsystems. Dieses rund 50 Kilometer umfassende Netz entstand zwischen 1601 und 1730 unter den Wittelsbachern und verband die Residenzen München, Nymphenburg, Schleißheim und Dachau über künstliche Wasserwege miteinander. Als einzigartige Synthese aus Natur, Kultur und Technik stellt das System heute ein Baudenkmal von europäischem Rang dar.

Ursprünglich als funktionale Baustelleneinrichtung geplant, diente der um 1691/92 unter Kurfürst Max Emanuel vollendete Dachau-Schleißheimer Kanal primär dem Transport von Ziegeln und Holz für den Schlossbau. Gleichzeitig band er Dachau repräsentativ in das herrschaftliche Netz ein und ermöglichte der höfischen Gesellschaft Wasserfahrten in prunkvollen Gondeln. Doch der Kanal war mehr als eine Verkehrsader: Er veränderte die Landschaft grundlegend. Quer zur natürlichen Fließrichtung des Grundwassers gebaut, entwässerte er das einst unzugängliche Dachauer Moos.  Das zuvor überwiegend für die höfische Jagd genutzte „Ödland“ wurde erschlossen und konnte so für Besiedlung und Landwirtschaft nutzbar gemacht werden.

Mit seinen Dämmen und der begleitenden Straße schuf der Kanal eine lineare Raumstruktur, die bis heute das Gesicht der Region prägt. Gegenwärtig ist der historische Verlauf jedoch nur noch abschnittsweise klar erkennbar. Besonders im Stadtgebiet von Dachau ist der Kanal an vielen Stellen überdeckt, zugeschüttet oder durch spätere Bebauung und Infrastrukturmaßnahmen überformt. In diesen Bereichen ist er im Stadtbild kaum noch als Kanal wahrnehmbar, obwohl er weiterhin Bestandteil des denkmalgeschützten Gesamtsystems ist.

Gewässerkreuzung Dachau-Schleißheimer Kanal - Schwebelbach

Der Dachau-Schleißheimer Kanal an der Gewässerkreuzung mit dem Schwebelbach
(Foto: Stefan Gerstorfer)

Technisch betrachtet ist der Kanal ein Meisterwerk frühneuzeitlichen Wasserbaus. Mit minimalem Gefälle und wechselnden Fließrichtungen beweist er die hohe Kunst barocker Wasserregulierung. Die damaligen Planer arbeiteten mit wegweisenden Vermessungsmethoden und entwickelten viele wasserbauliche Lösungen – wie das fein abgestimmte Gefüge aus Wehren, Zu- und Ableitungen – oft erst während der Bauphase.

Heute gewinnt dieses historische System vor dem Hintergrund des Klimawandels eine völlig neue Aktualität. Die integrierten Lenkungs- und Rückhaltefunktionen erweisen sich als potenziell wertvolle Ressource für ein modernes regionales Wassermanagement, um auf Extremereignisse wie Starkregen oder Trockenperioden zu reagieren. Darüber hinaus erfüllt die Kanallandschaft mittlerweile bedeutende ökologische Funktionen: Als Biotopsystem und Vernetzungsstruktur bietet sie einen unverzichtbaren Lebensraum für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.

Der Verein Dachauer Moos e.V. engagiert sich in diesem Spannungsfeld für den Erhalt und die Inwertsetzung des Kanalsystems. Ziel ist es, das historische Bauwerk, den ökologischen Biotopverbund und die Anforderungen eines zukunftsfähigen Ressourcenmanagements als Einheit zu betrachten und gemeinsam weiterzuentwickeln.