Inhauser Moos, Juli 2026
Auf „Expedition Moos" – der Spurensuche nach dem verschwundenen Moor
Das Dachauer Moos endet nicht an Gemeindegrenzen. So begrüßte der Verein Dachauer Moos e.V. fast 20 Teilnehmende aus Ober- und Unterschleißheim, Haimhausen und Feldmoching zu seiner „Expedition Moos" im Inhauser Moos.
Moore stehen heute im Fokus des natürlichen Klimaschutzes und der Moorbodenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. In diesem Sinne haben sich der Klimaberater vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in FFB, die Moorfachkräfte der Landkreise FFB, DAH und M sowie der Verein Dachauer Moos zu einem Moorteam zusammengeschlossen. Unter der Federführung von Tilo Scholze (AELF) gestalteten sie die Ausstellung „Licht ins Moor“, die im Gebäude des SC Inhauser Moos den Auftakt der Veranstaltung bildete. Die Moorexperten erläuterten anschaulich die naturwissenschaftlichen Grundlagen und die Geschichte des Dachauer Mooses. „Kaum zu glauben, dass man dort, wo heute dieses Gebäude steht, vor gerade einmal 150 Jahren noch in ein nasses Niedermoor eingesunken ist", erzählte Vereinsgeschäftsführer Robert Rossa. Eine Zahl sorgte für großes Erstaunen: „Die Freisetzung von Treibhausgasen aus Deutschlands entwässerten Mooren ist in etwa doppelt so hoch wie der gesamte deutsche Flugverkehr."
Mit Werkzeugen zur Bodensondierung brach die Gruppe dann zur Expedition auf. Unterwegs zeichneten die Experten die Geschichte der Moornutzung nach: Ab etwa 1800 wurde entwässert, der Torf flächendeckend abgebaut und zum Heizen der Sudkessel der Brauereien verwendet. Denn München und sein Umland waren schon damals eine boomende Region, deren Bevölkerung nicht nur Bierdurst hatte, sondern auch ernährt werden wollte. Bäche wurden begradigt und vertieft, Landwirtschaft und Siedlungen wurden möglich.
Heute weiß man, die Urbarmachung der Moore hat auch Nachteile: Jeder Hektar entwässertes Moor stößt jährlich bis zu 40 Tonnen Treibhausgase aus. Hebt man den Grundwasserspiegel wieder an, spart man nicht nur Treibhausgase ein, man speichert das Wasser auch in der Landschaft und trägt so aktiv zum Hochwasserschutz und zur Klimaregulation in der Landschaft bei. Nicht zuletzt werden wertvolle Lebensräume geschaffen und die Artenvielfalt erhöht.

Der Moormanager des Landkreises Dachau, Andreas Fuchs, bei der Bodensondierung.
Höhepunkt war der Einschlag der Bohrstöcke durch Andreas Fuchs, Moormanager des Landkreises Dachau. Am Bohrprofil ließ sich die ganze Problematik ablesen: Der obere halbe Meter war trocken, krümelig und schwarz. Dieser vererdete Torf speichert kaum Wasser und löst sich buchstäblich in Luft auf. Kommt er nämlich mit Sauerstoff in Berührung, wird er von Mikroorganismen zersetzt, und der dort gespeicherte Kohlenstoff entweicht als Treibhausgas in die Atmosphäre. Der untere Meter dagegen war nass und braun. Hier ließen sich noch gut die Pflanzenteile von Schilf und Bäumen erkennen, die das Wasser seit Jahrtausenden konserviert.

„Die Pflanzenreste im Torf sind älter als die Pyramiden.“
Solange die Böden trocken bleiben, schwindet die einst gewachsene Moorschicht kontinuierlich. Damit ändern sich auch die Bedingungen für die Landwirtschaft, denn mit der Zeit kommt der darunterliegende Kies zu Tage.
Das Moorteam betonte abschließend: Eine einfache Antwort, wie es hier und im Dachauer Moos konkret weitergeht, gibt es nicht. Wie die Beispiele in anderen Niedermooren Bayerns zeigen, ist der Moorbodenschutz ein langwieriger Prozess, der nur dann Erfolg verspricht, wenn alle Akteure gemeinsam auf Augenhöhe agieren. Ein erster Schritt aber ist, sich die Gegebenheiten vor Ort bewusst zu machen und zu verstehen, was hier auf dem Spiel steht. Dazu hat die Expedition beigetragen. Mit den Bayerischen Staatsforsten, die den überwiegenden Teil der Waldflächen im Inhauser Moos verwalten, stehe man in einem intensiven Austausch. Weitere Schritte folgen in Abstimmung mit den Anliegern, der Kommunen und der Regierung von Oberbayern.
Wer mehr über Moore und ihre Rettung erfahren möchte, dem sei ein Vortrag ans Herz gelegt: Am 21. September 2026 um 19:00 Uhr spricht mit Prof. Dr. Matthias Drösler von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, einer der bekanntesten Moorforscher Deutschlands, im Bürgerzentrum Oberschleißheim zum Thema „Nässer ist besser – Ökosystemfunktionen von Mooren und ihr Beitrag zum natürlichen Klimaschutz". Organisiert wird der Abend von der Moormanagerin des Landkreises München Christa Zeitlmann.
