Dachau, 8. Oktober 2018

„Das Moos ist nicht verloren. Im Gegenteil, wir werden alles tun, um das Moos für die Menschen die dort leben und arbeiten zu erhalten.“ Dies war der Tenor der politischen Reden und Perspektiven auf der „Interkommunalen Konferenz zur gemeinsamen Landschaftsentwicklung im Dachauer Moos“ am 8. Oktober 2018 im Schloss Dachau.

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(Foto: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)


Der 1. Vorsitzende des Vereins Dachauer Moos e.V. Bürgermeister Felbermeier, Landrat Löwl, die Münchner Stadträtin Frau Heike Kainz und die stellvertretende Landrätin des Landkreises München Frau Ganssmüller-Maluche bekannten sich stellvertretend für die anwesenden Bürgermeister und den Dachauer Oberbürgermeister zu ihrem Moos. Sie bekräftigten ihre gemeinsame Absicht, die Gebietsgrenzen überschreitenden Anstrengungen unter dem Dach des Vereins Dachauer Moos e.V. fortzuführen und die scheinbar unscheinbare Alltagslandschaft vor der Haustüre zu erhalten – trotz kommender Umgehungsstraßen und Siedlungswachstum.

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Politische Perspektiven gaben (v.l.n.r.) der Dachauer Landrat Stefan Löwl, die Münchner Stadträtin Heike Kainz, der Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Marcel Huber, die stellvertretende Landrätin des Landkreises München Annette Ganssmüller-Maluche sowie der 1. Vorsitzende des Vereins Dachauer Moos Bürgermeister Peter Felbermeier (Foto: Stefan Gerstorfer)


Welche Bedeutung das Moos für die Bürger hat, führten alteingesessene Moosbewohner den  Politikern eindrucksvoll vor Augen. Doch sie warnten die Politik auch: Das Moos hat sich verändert und viel ist verloren gegangen.
„Der Grundwasserstand ist so niedrig, wir müssen unser Moos bereits beregnen.“ meinte Simon Sedlmair, stellvertretender BBV-Kreisobmann. „Wir können die letzten Orchideen, Moorschmetterlinge und Streuwiesen im Schwarzhölzl nur durch viele ehrenamtliche Arbeitsstunden erhalten.“ warnte Daniel Stöckel von der Karlsfelder BN-Ortsgruppe. „Als Buben fingen wir im Moos Kreuzottern und brachten sie zum Apotheker, der das Gift der Schlangen melkte und sie dann wieder auslies.“ erinnerte sich Herr Albert Donhauser vom Heimat- und Torfmuseum Gröbenzell. Auch Edmund Krusche, Jäger aus Haimhausen, Otto Felkel, Wanderführer aus Unterschleißheim und der Dachauer Fotograf Andreas Pirchmooser schätzen das Moos.

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Der ehrenamtliche Naturschützer Daniel Stöckel schildert die Situation der Arten- und Lebensraumvielfalt im Dachauer Moos. (Foto: Stefan Gerstorfer)


„Wir haben viele Tier- und Pflanzenarten, die nur im Moor vorkommen. Wer diese Lebensräume verliert, verliert auch diese Tier- und Pflanzenarten.“ warnte der Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Marcel Huber. „In Mooren ist mehr CO2 gebunden als in unseren Wäldern. Moorschutz ist also auch Klimaschutz. Bei Starkregenereignissen und Trockenheit übernehmen Moore eine Pufferfunktion.“ Er kündigte einen Masterplan Moore an, der die Kommunen in ihren Anstrengungen beim Moorschutz künftig verstärkt unterstützen soll.

Bereits jetzt fließen Gelder aus dem Klimaprogramm Bayern und weiteren Förderprogrammen in das Biodiversitätsprojekt „Neues Leben im Dachauer Moos“, dass seit mehreren Jahren vom Verein Dachauer Moos federführend betreut wird. Dem Vereinsvorsitzenden Peter Felbermeier ist es wichtig, dass auch nach Projektende im Jahr 2020 ein aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds finanzierter Gebietsbetreuer oder eine -betreuerin die Erfolge und zum Moorerhalt notwendigen Maßnahmen weiter führt. Er wünscht sich mehr Beweidung im Moos. Wenn Maisäcker mit Hilfe von Förderprogrammen in Grünland umgewandelt werden und dort Rinder grasen, dann könne ebenfalls viel CO2 eingespart werden.

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Gruppenfoto mit Minister
(Foto: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)


Über weitere Perspektiven für das Moos konnten sich die 80 Konferenzteilnehmer auf dem Markt der Möglichkeiten informieren. Unter anderem stellte die KulturLandStiftung des Bauernverbandes ihre innovativen Wege zum Schutz der Kulturlandschaft gemeinsam mit der Landwirtschaft vor. Besonders belagert war der Stand der Bayerischen Staatsforsten. Der größte Landbesitzer im Dachauer Moos eröffnete eine sehr interessante Perspektive: In den staatlichen Wäldern im Dachauer Moos könnten Ökokontoflächen entstehen und so Klima- und Artenschutzziele umgesetzt werden.

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Bernard Gugg stellt auf dem Markt der Möglichkeiten ein Projekt aus Salzburg vor.
(Foto: Stefan Gerstorfer)


Am Nachmittag blickte das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz auf die letzten zehn Jahre Klimaschutzprogramm Bayern zurück. “Let's do Moor“ spannt den Bogen vom Dachauer Moos über den Moorschutz in Bayern bis in die Alpenregion. Dabei wurde die Klimarelevanz der Moore mit eindrucksvollen Zahlen wissenschaftlich untermauert und die faszinierende Tierwelt der Moore vorgestellt.

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Prof. Dr. Drösler von der TUM Weihenstephan erläutert die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz. (Foto: Verein Dachauer Moos e.V.)


Bei einer abschließenden Diskussionsrunde mit Landrat Löwl, der Moorexpertin Cornelia Siuda und dem Landwirt Angermeir aus Feldmoching fand Robert Rossa, der Geschäftsführer des Vereins Dachauer Moos, ein passendes Schlusswort:

„Über 700 Hektar des Dachauer Mooses gehören der öffentlichen Hand. Wenn die zuständigen Verwaltungen und Betriebe diese Flächen vorbildlich im Sinne des Klima- und Naturschutzes bewirtschaften und ein positives Zeichen für die Land- und Forstwirtschaft setzen, wäre bereits viel fürs Dachauer Moos gewonnen.“

 

Die Veranstaltung wurde unterstützt durch das EU-Projekt „Los_Dama! - Landscape and Open Space Development in Alpine Metropolitan Areas“ der Landeshauptstadt München. Dessen Ziel ist es, die interkommunale Zusammenarbeit bei der Landschafts- und Freiraumentwicklung in den Stadtregionen des Alpenraums zu stärken.

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Kontakte und Gespräche sind wichtiger Teil der Konferenz.
(Foto: Verein Dachauer Moos e.V.)

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Die Fotoausstellung zum Wettbewerb „moosARTig“ (Foto: Stefan Gerstorfer)

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Auf dem Markt der Möglichkeiten
(Foto: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)

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Auch der Verein Dachauer Moos e.V. präsentiert sich. (Foto: Stefan Gerstorfer)

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Politik.Projekte.Partner - Eine Diskussionsrunde mit Moderator Taufig Khalil (Mitte)
(Foto: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)

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Musikalischer Ausklang
(Foto: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz)

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Das Organisationsteam (v.l.n.r.): Matthias Lampert (Landeshauptstadt München), Birgit Rasenberger (Verein Dachauer Moos e.V.), Michaela Künzel (Bay. Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz), Robert Rossa (Verein Dachauer Moos e.V.), Linda Mertelmeyer (Landeshauptstadt München) (Foto: Verein Dachauer Moos e.V.)

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